Home » Blog » IT-Architekturen modellieren mit Archimate

IT-Architekturen modellieren mit Archimate

Sie brauchen eine High Level Darstellung ihrer IT-Architektur? Sie müssen ihren Stakeholdern in Management und Technik ihr Projekt vorstellen? Hier ein Beispiel basierend auf der EA-Sprache Archimate.

Ich habe vor einigen Wochen die Power Point Darstellung einer IT-Architektur auseinandergenommen, die als Entscheidungsvorlage für ein Architecture Review Board gedacht war. In dem Artikel habe ich auch dazu aufgerufen, sich im Unternehmen auf eine klare, einheitliche Sprache zu einigen. Kern einer solchen einheitlichen Sprache ist eine Notation für schematische Darstellungen. Ich zeige nun hier ein Beispiel basierend auf Archimate.

Was ist Archimate? Eine Kurzeinführung

Archimate ist ein Modellierungsstandard, der sich besonders gut für die Darstellung und Analyse von Enterprise Architekturen eignet. Kein Wunder, ist Archimate doch der von der „Open Group“ herausgegebene Standard passend zu deren EA-Framework TOGAF. Aber selbst wenn sie sich für ein anderes Framework als TOGAF entschieden haben, können Sie Archimate natürlich nutzen.

Bevor ich Ihnen das Beispiel zeige und erläutere, hier noch ein paar Informationen zu Archimate:

  • Als Modellierungssprache dient Archimate dazu, Strategie und Umsetzung der Strategie zu verbinden
    • Es gibt strategische Modellierungswerkzeuge, z.B. die SWOT-Analyse
    • Es gibt Modellierungswerkzeuge für die Umsetzung/ Implementierung von Prozessen und IT-Systemen (z.B. BPMN oder UML)
    • Zwischen beiden „Welten“ braucht es eine weitere Notation zur Übersetzung der Strategie in eine konkrete Unternehmens-Architektur, die sich für die Umsetzung der Strategie eignet (das ist Archimate)
  • Archimate unterscheidet zwischen Strukturelementen und Verhaltenselementen
    • Strukturelemente dienen der Darstellung von passiven Strukturen (z.B. Produkte oder Verträge) oder aktiven Strukturen (z.B. eine Abteilung oder eine Applikation)
    • Verhaltenselemente bilden das Bindeglied zwischen aktiven und passiven Strukturelementen (z.B. Prozesse oder Services)
  • Beim Modellieren wird zwischen drei Layern unterschieden: Business (Fachbereich), Anwendungssysteme und Technologie
  • Die Elemente werden mit Beziehungspfeilen verknüpft, die bestimmten semantischen Regeln unterliegen (z.B. ein Geschäftsprozess nutzt einen IT-Service)

Diese Informationen nur zum Kurzeinstieg. Hier folgt nun die Darstellung der Architektur und eine Beschreibung von dem, was sie dort sehen. Wenn Sie mehr Informationen zu Archimate wünschen, sprechen Sie mich einfach an. Ich biete auch eine 2-tägige Schulung zum Thema an.

Bild zeigt eine Modellierung der Zusammenhänge zwischen Business-Abläufen und IT-Architektur in Archimate
Schematische Darstellung von Strukturen und Abläufen in Archimate

Hier die Erläuterungen zur Grafik:

Vorab: Alle Elemente des „Business Layers“ dieses Architekturmodells sind in gelb gehalten. Alle Elemente des „Application Layers“ in Archimate sind hier türkis.

Beginnen wir am oberen Rand der Grafik und arbeiten uns dann nach unten vor:

  • An diesem Business-Szenario sind drei Akteure beteiligt: der LKW-Fahrer (Driver), Mitarbeiter des Lagers (WH Staff) und Mitarbeiter des Kunden (Customer Team Member)
  • Fahrer und Lagermitarbeiter treffen sich im Lager des Kunden (Customer Warehouse) und führen gemeinsam den Wareneingang und Unterschrift durch (Goods Receipt and Signoff). Die Darstellung dieser gemeinsamen Zusammenarbeit erfolgt als „Business Collaboration“.
  • Der Fahrer verwendet einen Service „Signed delivery & invoice to customer“. Dieser Service wird von seinem mobilen Endgerät mittels der „Movilizer Client“ Applikation bereitgestellt.
  • Das Ergebnis dieses Service sehen wir rechts im Bild: Lagermitarbeiter und andere Kundenmitarbeiter erhalten beide gleichzeitig Zugriff auf die elektronisch unterschriebenen Lieferschein (Delivery Note).
  • Andere Mitarbeiter des Kunden erhalten zusätzlich noch die Rechnung (Invoice).
  • Beide Dokumente werden realisiert durch ein Datenobjekt bzw. eine Email (Email + Delivery Note + Invoice).
  • Im unteren Teil der Grafik sehen wir nun die dafür erforderliche Applikations-Landschaft:
    • Der Movilizer Client sendet seine Daten an Salesforce und an das Movilizer Addon.
    • Das Movilizer Addon ist eine Schnittstelle zu SAP ECC – um auszudrücken, dass diese Schnittstelle innerhalb SAP ECC bereitgestellt wird, ist hier nicht nur der Datenfluss modelliert (gestrichelte Linie), sondern auch eine Komposition definiert (Verbindung mit schwarzer Raute).
    • Die Daten, die der Movilizer Client an Salesforce gesendet hat, werden über die SAP PI und eine RFC-Schnittstelle ebenfalls in das SAP ECC System gesendet. Auch das RFC-Interface ist Bestandteil des SAP ECC Systems – die Transaktion SM59 lässt grüßen 🙂
    • Über den SMTP-Service des SAPConnect Interfaces wird die Email an die Mitarbeiter des Kunden generiert.
    • Die Rechnung und der Lieferschein werden archiviert. Dazu verwendet SAP ECC das SAP Archive

Wie sollten Sie Archimate Modelle verwenden?

Im Gegensatz zum bereits erwähnten Power Point Slide, das zahlreiche handwerkliche Fehler enthielt, haben wir hier zunächst die Vollmodellierung eines Geschäfts-Szenarios in einer standardisierten Notation vorliegen. Wenn Sie als IT-Architekt ein solches Bild vor sich haben, dann haben sie schon einiges richtig gemacht:

  • Sie verwenden eine standardisierte Notation
  • Ihre Farbgebung ist klar und einheitlich
  • Die Namensgebung ihrer Elemente unterstützt das Verständnis des Betrachters
  • Die Grafik zeigt den Sollzustand und vermischt diesen nicht mit dem Ist-Zustand

Für eine Präsentation vor dem Architecture Review Board ist dieses Bild natürlich noch nicht geeignet, aber eine erforderliche Grundlage. Denn immer noch ist die Darstellung zu groß und unübersichtlich. Für die Präsentation sollten Sie zumindest noch folgende Ratschläge beachten:

  • Überlegen Sie, welche Personen im Publikum sitzen und welches Informationsbedürfnis diese haben.
  • Zerlegen Sie ihre Architekturvorstellung in einzelne Aspekte (z.B. Business Layer und Applikations-Layer) um die Bedürfnisse des Publikums zu adressieren
  • Die Zerlegung erfolgt entweder nach der Struktur oder nach Kausalitäten (die Zerlegung zu erläutern, würde hier etwas weit führen, ich empfehle dazu das Buch „Das Prinzip der Pyramide“ von Barbara Minto)
  • Verwenden sie je Slide nur maximal 7 Symbole
  • Jedes Slide sollte eine aussagekräftige Überschrift haben (maximal 10 Worte), d.h. die Überschrift ist nicht „Business Layer Teil 1“ sondern „Fahrer und Lagermitarbeiter dokumentieren den abgeschlossenen Wareneingang elektronisch“

Mit diesen wenigen Tipps sind sie für ihre Präsentation schon ganz gut gerüstet. Ich freue mich über ihre Anregungen und Fragen in den Kommentaren.